Christo Stankulov
The Hot Waters

In Varna, Bulgarien, gibt es direkt am Strand eine natürliche Quelle mit heißem Mineralwasser von etwa 55 °C. In den frühen 70er-Jahren bauten die lokalen Behörden nach einigen Bohrungen eine Pumpstation, um die Marineschule mit heißem Wasser zu versorgen. „Die heißen Quellen” entstanden durch den zusätzlichen Zufluss zum Strand. Der Ort ist auch als „Die Grube” oder „Der See” bekannt. Heute gibt es dort ein Schwimmbecken, das mit Spendengeldern gebaut wurde, angeblich von einem kanadischen Auswanderer bulgarisch-armenischer Abstammung, aber das ist eher eine urbane Legende oder ein Gerücht …
Als ich 2002 begann, die heißen Quellen und ihre Stammgäste zu fotografieren, gab es nur wenige, meist ältere Menschen, die diesen Ort frequentierten. Heute ist dieses Schwimmbad so beliebt, dass man dort Menschen aller Geschlechter, Altersgruppen, Nationalitäten und Gesellschaftsschichten antrifft – von Sexarbeitern bis zu Doktoren.
Die Hot Waters sind ein sehr malerischer Ort. Die Menschen genießen das kostenlose und heilende Mineralwasser. Sie liegen an der Schwarzmeerküste mit Blick auf den Horizont. Hier kann man sich unterhalten oder auch ganz still sein. Man sitzt einfach da und beobachtet, während das heiße Wasser den Körper heilt.

Die
Technik

Als ich um 2002 mit der Serie „The Hot Waters” begann, verwendete ich eine Mittelformatkamera. Das war praktisch, da ich damals vorhatte, mehr im Stil der Straßen-Fotografie zu arbeiten. Aber schließlich änderte ich meine Meinung, und auch der Ort hatte sich verändert. Er war viel belebter und beliebter geworden. Die Art und Weise, wie ich zuvor fotografiert hatte, passte nicht mehr, und ich wollte die Menschen dort besser kennenlernen, mit ihnen sprechen, eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Also wechselte ich zum Großformat und sprach mit jeder einzelnen Person, die ich fotografieren wollte. Ich nahm mir Zeit. Zu diesem Zeitpunkt war ich mit einer Linhof Master Technika classic 4×5 und einem Rodenstock Apo-Sironar S 150/5,6-Objektiv sowie Ilford FP4-Film ausgestattet.
Heute verwende ich eine Linhof Technikardan S 45. Ich finde, dass sie die vielseitigste aller 4×5-Kameras ist, mit denen ich seit 2008 gearbeitet habe.

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